Löffinger Ehrentag der Aufrechten / Gedenken mit Glocke und Springerli

Glockenklang: Simon Schlude, Ursula Glunk, Dr. Konrad Schlude, Luzia Bader (Foto: Christa Maier)
Glockenklang: Simon Schlude, Ursula Glunk, Dr. Konrad Schlude, Luzia Bader (Foto: Christa Maier)

Am 23. Juni 1934 wurde der Löffinger Pfarrer Guido Andris durch Nazi-Mob vertrieben. Durch das Sturmgeläut von Karl Bader kam es zu einem Auflauf des Städtchens und zu Protesten gegen das Vorgehen der Nazis. Ich Nachgang verhafteten die Nazis 16 Personen, die sich für den Pfarrer eingesetzt hatten.

Im Rahmen einer Ansprache im Sonntagsgottesdienst würdigte Dr. Konrad Schlude den „Ehrentag der Aufrechten“. Schlude stellte auch einen kleinen Fortschritt bei der Frage nach einem Denkmal vor: Der Bildhauer Eberhard Rieber hat ein Springli-Model hergestellt. In Anlehnung an das starke Symbol vom Glockengeläut bei Gefahr sieht man einen Mann, der eine Glocke anschlägt. Ferner ist das Datum „23. Juni 1934“ zu erkennen, die Umschrift lautet „Löffingen – Ehrentag der Aufrechten“.

Als seine Version des Liedes „Ich hab Löffingen im Blut“ trug Schlude einen Text vor. Der Text ist mit der Melodie Nr. 465 aus dem Gotteslob (Das Jahr steht auf der Höhe) auch singbar. Im Gegensatz zum bekannten Lied „Ich hab Löffingen im Blut“ ist die Melodie nicht so fetzig, aber inhaltlich geht es bei der Version von Schlude nicht um irgendwelche Oberflächlichkeiten, es geht um die persönlichen Lehren aus den Löffinger Ereignissen vom 23. Juni 1934.

Ursula Glunk schlug im Anschluss an die Ansprache die aufgestellte Glocke an, deren Klang in Erinnerung an die Aufrechten vom 23. Juni 1934 den Kirchenraum füllte.

Die Glocke stammt aus der Kreispflegeanstalt Jestetten und wurde freundlicherweise durch das heutige Seniorenwohnen Jestetten zur Verfügung gestellt.

Nach dem Ende des Gottesdienstes wurden die Springerli an die Gottesdienstbesucher verteilt.


Ansprache Dr. Konrad Schlude, 28. Juni 2026

Liebe Brüder und Schwestern,

am Dienstag war der 92. Jahrestag der Vertreibung von Pfarrer Guido Andris durch den Nazi-Mob. Der kritische Geist von Guido Andris hat zum Konflikt mit den Nazis geführt, und erinnert sei auch an den Mut der vielen, die sich der Nazi-Meute entgegen gestellt haben.

Ich bin froh, dass ich auch in diesem Jahr eine Glocke ausleihen und mitbringen konnte. Denn gerade das Sturmläuten von Karl Bader hat dazu geführt, dass es einen Auflauf und den mutigen Protest vieler gegeben hat. Von den vielen Aufrechten haben 16 ihren Mut mit Verhaftung und Haft bezahlt, für sie persönlich und die Angehörigen war es eine schwere Last. Heute wollen wir diesem Mut gedenken.

Die Glocke stammt übrigens von der Kreispflegeanstalt Jestetten. Da gibt es keinen direkten Zusammenhang, aber die Kreispflegeanstalt Jestetten war auch von den NS-Krankenmorden betroffen, vor denen Guido Andris gewarnt hat. Und eines der Opfer, Luise Riesterer wurde 1874 in Unadingen geboren. Es hängt halt alles irgendwie zusammen.

Luzia Bader hat mir erzählt, dass ihr Vater auch Kolpingvorsitzender gewesen ist. Daher habe ich das Kolpingbanner an der Empore aufgehängt.

Wie mir Jörg Waßmer, Autor des Buches „In Löffingen untragbar“ erzählt hat, vermisst er das Denkmal, das an die denkwürdigen Ereignisse vom 23. Juni 1934 und die Vorgeschichte erinnert. Nicht einmal eine Gedenktafel am Pfarrhaus gäbe es.

Auch ich würde mich freuen, wenn wir spätestens am 23. Juni 2034 zum 100. Jahrestag ein würdiges Denkmal hätten. Aber ich kann heute zumindest von einem kleinen Fortschritt bezüglich eines Denkmals berichten. Und ich kann euch sogar zeigen, wie klein dieser Fortschritt ist.

So klein !

Eine kleine Holzscheibe mit neun Zentimeter Durchmesser, aus Elsbeere übrigens. Diese kleine Holzscheibe ist aber nicht irgendeine Holzscheibe, denn der Holzbildhauer Eberhard Rieber hat uns daraus ein Springerli-Model gemacht.

In Anlehnung an das ungeheuer starke Symbol vom Glockengeläut bei Gefahr sehen wir einen Mann, der eine Glocke anschlägt. Wir erkennen ferner ein Datum: 23. Juni 1934

Die Umschrift lautet: Löffingen, Ehrentag der Aufrechten.

Somit haben wir ein Denkmal, klein zwar, aber essbar. Ich habe einige Springerli mitgebracht, wobei die leider nicht für alle reichen werden.

Vor zwei Jahren habe ich erwähnt, dass viele meiner Aktionen in Kirche und Politik durch Andris, Bader, Benitz und die anderen beeinflusst worden sind. Ich habe gesagt, dass meine Aktivitäten sozusagen meine Fassung von „ich hab Löffingen im Blut“ sind. Das war natürlich eine Anspielung auf das Lied „ich hab Löffingen im Blut“. Es ist schön, dass dieses Lied mit seiner fetzigen Musik den Leuten gefällt. Ich muss aber auch zugeben, dass der Text dieses Liedes nicht so ganz mein Fall ist.

A de Fasnacht Guetzli werfä, und mit dem Chärreli giesch a

Nun, Leute, die mit dem „Chärreli“ angeben müssen, gibt es überall, aber ich habe das nicht nötig. Ich habe mir überlegt, was ich denn als meine Version von „ich hab Löffingen im Blut“ singen würde? Die Musik ist nicht ganz so fetzig; was bei einem Mitglied des Kirchenchores nicht so verwunderlich ist, es ist eine Melodie aus dem Gotteslob geworden. Nämlich die Nummer 465 „Das Jahr steht auf der Höhe“.

Aber auch wenn das Lied prinzipiell singbar ist, ich bin sicherlich kein Solist, und daher erzähle ich es nur. Es geht wie folgt?

Nun wollen wir begehen
Den großen Ehrentag
Wolln mutig dazu stehen,
Mit starkem Glockenschlag
Was Andris und die vielen
Vor langer Zeit gemacht,
Soll uns zum Vorbild dienen,
Nicht buckeln vor der Macht.

Und wenn die Leute fragen,
Was ich im Blute hab?
Dann will ich ihnen sagen,
Was mir die Heimat gab.
Es ist der feste Wille
Aufrecht durchs Leben gehen
Nicht leise sein und stille
Ich lass mein Banner wehn.

Wir haben gehört, Karl Bader war auch Kolpingvorsitzender. Über die Distanz der vielen Jahre und Jahrzehnte rufe ich ihm zu:

Treu Kolping, Karl!
Treu Kolping allen Mitgliedern und Freunden von Kolping Löffingen!
Und natürlich: Treu Kolping den Aufrechten vom 23. Juni 1934