{"id":688,"date":"2024-12-17T08:40:42","date_gmt":"2024-12-17T07:40:42","guid":{"rendered":"https:\/\/schlu.de\/?p=688"},"modified":"2024-12-17T08:40:42","modified_gmt":"2024-12-17T07:40:42","slug":"aus-alt-mach-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schlu.de\/?p=688","title":{"rendered":"Aus Alt mach Neu!"},"content":{"rendered":"\n<p>Droht der Schweiz ein Blackout bei der Flugabwehr? Und was hat das mit IT zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit drastischen Worten beschreibt die NZZa.S. (8.12.2024) die Gefahr eines Blackouts bei der Flugabwehr der Schweiz. Es ist zun\u00e4chst einmal ein milit\u00e4risches Thema, aber dem Informatiker kommen die Aussagen gleich bekannt vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Da soll ein Neusystem namens \u00abSkyview\u00bb eingef\u00fchrt werden. Die NZZaS bezeichnet die Vision des neuen Systems als \u00abbestechend\u00bb, die Umsetzung sei aber schwierig und komplex. In der Folge explodieren die Kosten, und die Einf\u00fchrung verz\u00f6gert sich um Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite ist das Altsystem: Unbeliebt, teuer, auch hier explodiert der Aufwand. Die f\u00fcr den schwierigen Betrieb notwendigen Experten vom \u00abhoffnungslos veralteten System Florako\u00bb h\u00f6ren immer nur negative Nachrichten und verabschieden sich irgendwann frustriert in die Rente oder k\u00fcndigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufsichtsgremien reagieren ebenfalls frustriert und w\u00fctend. Nicht \u00fcberraschend kommen Aussagen, dass man sich verschaukelt f\u00fchle; die Charakterisierung als \u00abKatastrophe\u00bb zeigt, dass sich da eine gewaltige Schere zwischen dem urspr\u00fcnglichen Plan und dem aktuellen Projektstand \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder einmal kommt von den Projektverantwortlichen der Spruch \u00abScheitern ist keine Option\u00bb. Das \u00abFailure is not an option\u00bb geht auf Wernher von Braun bei der Entwicklung der amerikanischen bemannten Raumfahrt zur\u00fcck. Da es bei Weltraumfl\u00fcgen keine Pannenstreifen und keinen Ersatz gibt, muss das System sicher genug gebaut werden. Aber als Aufmunterungspruch bei IT-Projekten hat \u00abFailure is not an option\u00bb auch schon versagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was in der NZZaS nicht thematisiert wird, das ist die Stimmung in der Projektorganisation des Neusystems. Nach einiger Zeit mehrt sich oft bei vielen Projektbeteiligten die Einsicht, dass es doch viele Schwierigkeiten gibt, die den geplanten Projekterfolg behindern k\u00f6nnten. Aber Einw\u00e4nde werden allzu oft abgewimmelt und \u00fcbergangen. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass niemand als erster das Scheitern thematisieren will; denn das w\u00fcrde mitunter ein schlechtes Licht auf die eigenen Leistungen werfen. Und so l\u00e4uft die Projekt-Maschinerie immer weiter, bis dann das Scheitern nicht mehr verschwiegen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Inneneinsichten aus einem dann gescheiterten Projekt sind unter anderem in der Online-Plattform insideparadeplatz.ch zu finden. Nachdem dort am 26.3.2013 ein kritischer Artikel \u00abWohin treibt die Six-B\u00f6rsengruppe?\u00bb mit Bezug zum Projekt \u00abMagellan\u00bb ver\u00f6ffentlicht worden war, schrieb eine Person mit Decknamen \u00ab(still) insideSIX\u00bb am 7.4.2013 einen Kommentar. Demnach sei auf Probleme hingewiesen worden, aber \u00abFolge war, dass man als \u201eNegativ-Denker\u201c und eine Art Volksverhetzer hergestellt wurde\u00bb. Und auch eine Variante des \u00abFailure is not an option\u00bb taucht im Kommentar auf: \u00abAm Start von Projekt \u201eMagellan\u201c wurde von unserem CEO T.Gross verk\u00fcndet, dass dieses Projekt unbedingt ein Erfolg sein MUSS\u00bb. Trotzdem ist das Projekt gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sei noch ein weiteres konkretes Beispiel f\u00fcr einen gescheiterten Ersatz eines Altsystems genannt. Die Abl\u00f6sung der teuren Mainframe\/Host Plattform ist in der Credit Suisse \u00fcber Jahrzehnte hinweg angestrebt worden, aber trotz vieler Teilerfolge mit der Migration einzelner Systeme ist die Plattform bis zuletzt gelaufen. Und auch hier gab es das Risiko, dass das Altsystem durch das Management verkannt wird. So berichtet ein Insider: \u201eIn diesem angels\u00e4chsischen Betrieb wurden die Mainframe-Informatiker (vorwiegend Schweizer\/Europ\u00e4er) sehr stiefm\u00fctterlich behandelt und dezimiert\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine generelle perfekte Vorgehensweise f\u00fcr das Abl\u00f6sen eines Alt- durch ein Neusystem gibt es wohl nicht. Trotzdem gibt es einige Punkte zu beachten.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Auch wenn die Vision des Neusystems noch so bestechend ist, das Altsystem muss mitunter noch lange Zeit den Benutzern zur Verf\u00fcgung stehen. Die Bedeutung des Altsystems und seiner Betreuer darf nicht \u00fcbersehen werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Damit das Neusystem das alte ersetzen kann, muss die bisherige Funktionalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die \u00fcber Jahre ins Altsystem eingebaute Komplexit\u00e4t muss verstanden werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Trotz neuesten Projektmanagementmethoden und neuesten Tools zur Projektmanagement: Ein Grundverst\u00e4ndnis zum Hintergrund der Systeme sollte bei allen Beteiligten vorhanden sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt immer unterschiedliche Sichtweisen auf Schwierigkeiten\/Risiken beim Projektverlauf. Was aus Sicht eines Projektmitarbeiters ein gewaltiges Risiko darstellt, kann aus der Sicht eines anderen eine Kleinigkeit darstellen. Wer nur Risiken sieht, der bewegt sich nicht; wer alle Risiken abtut, der macht mitunter schnell eine Bruchlandung. Ben\u00f6tigt werden also eine differenzierte inhaltliche Betrachtung und Bewertung.<\/li>\n\n\n\n<li>Um auch mit dem sich in Entwicklung befindlichen Neusystem m\u00f6glichst schnell brauchbare Resultate liefern zu k\u00f6nnen, sollte gepr\u00fcft werden, inwieweit das Altsystem zum Erfolg beitragen kann.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und was man auch nicht vergessen sollte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Da sich die IT-Technologie rasant entwickelt, wird auch das Neusystem in ein paar Jahren veraltet sein.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Droht der Schweiz ein Blackout bei der Flugabwehr? Und was hat das mit IT zu tun? Mit drastischen Worten beschreibt die NZZa.S. 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