{"id":258,"date":"2007-03-02T19:34:10","date_gmt":"2007-03-02T18:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/schlu.de\/?p=258"},"modified":"2017-10-09T20:20:12","modified_gmt":"2017-10-09T18:20:12","slug":"laudatio-zur-max-bloedt-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schlu.de\/?p=258","title":{"rendered":"Laudatio zur Max Bl\u00f6dt Ausstellung"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Therese,<br \/>\nliebe Familie Bl\u00f6dt,<br \/>\nsehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>ich bin angefragt worden, eine Laudatio zur heutigen Ausstellungser\u00f6ffnung zu halten. Auf Grund meiner pers\u00f6nlichen Hochachtung gegen\u00fcber Max Bl\u00f6dt tue ich das nat\u00fcrlich gerne. Ich bin sehr froh, dass diese Ausstellung zustande gekommen ist und uns noch einmal das Werk, aber auch die Person von Max Bl\u00f6dt vor Augen f\u00fchrt.<br \/>\nEs ist eine Ausstellung \u00fcber die k\u00fcnstlerische Arbeit von Max Bl\u00f6dt, und das Ausstellungsplakat bezeugt eine ungeheure Breite seines Werks:<\/p>\n<ul>\n<li>Plastiken in<br \/>\no Stein<br \/>\no Holz<br \/>\no Bronze<\/li>\n<li>Malerei<br \/>\no In \u00d6l<br \/>\no Und als Aquarell<\/li>\n<li>Zeichnungen in<br \/>\no Kreide<br \/>\no Bleistift<br \/>\no Tusche<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Breite ist beachtlich, nicht zuletzt deshalb, weil man das Werk eher als Freizeitbesch\u00e4ftigung denn als Erwerbsarbeit betrachten muss. Die f\u00fcr mich fast schon verwirrende Vielfalt geht aber noch weiter, denn kann man das Werk von der Person des Sch\u00f6pfers trennen? Bei Max verneine ich eine solche Frage entschieden, seine starke Pers\u00f6nlichkeit hat Max in verschiedenste Bereiche eingebracht:<br \/>\n\u00b7 Pfarrgemeinde bis hin zum Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates<br \/>\n\u00b7 Kolping<br \/>\n\u00b7 Gr\u00fcndungsmitglied der CDU Jestetten und bis zum Tod der Partei verbunden<br \/>\n\u00b7 Jahrzehntelanges Mitglied des Gemeinderates<br \/>\n\u00b7 Vorsitzender des Elternbeirates der Realschule<br \/>\n\u00b7 Mitglied der Chronikredaktion<br \/>\n\u00b7 Mitarbeit beim Jestetter Dorfbuch<br \/>\n\u00b7 Kirchenchor, Sozialstation, usw usw<\/p>\n<p>Diese Betrachtung f\u00fchrt zu einer ersten wichtigen Erkenntnis, Max Bl\u00f6dt war eine sehr aktive, sozial engagierte und \u00fcberaus vielschichtige Pers\u00f6nlichkeit. Wie seine scheinbar widerspr\u00fcchlichen Steinknoten \u2013wer von Ihnen kann einen Stein verknoten? &#8211; l\u00e4sst er sich nicht auf eine Ebene reduzieren oder in eine bestimmte Gedanken-Schublade pressen.<\/p>\n<p>Der weiteren Betrachtung m\u00f6chte ich ein paar wenige Eckdaten aus dem Leben von Max Bl\u00f6dt voranstellen:<br \/>\n\u00b7 Geboren 1925<br \/>\n\u00b7 Mit knapp 10 Jahren verliert er seinen Vater<br \/>\n\u00b7 Als junger Mann wird er in den Krieg geschickt<br \/>\n\u00b7 Nach der R\u00fcckkehr die Bildhauerlehre<br \/>\n\u00b7 1949 die Heirat mit Therese Widder, aus der Ehe gehen f\u00fcnf Kinder hervor<br \/>\n\u00b7 Meisterpr\u00fcfung und eigener Betrieb, den er bis weit \u00fcber die \u00fcbliche Pensionsgrenze selber f\u00fchrt<br \/>\n\u00b7 2006, also letztes Jahr gestorben.<\/p>\n<p>Zwischen all diesen Punkten gibt es viele Querverbindungen.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Restaurierung des Kreuzweges auf dem Friedhof oder dem Bildstock verbinden sich Handwerk mit dem Einsatz f\u00fcr die Pfarr- und die politische Gemeinde.<\/li>\n<li>Schon damals mit einer grossen Beobachtungsgabe, mit dem Sinn f\u00fcr das Entscheidende ausgestattet, f\u00fchrt der junge Soldat ein Kriegstagebuch und ver\u00f6ffentlicht Ausschnitte davon 60 Jahre sp\u00e4ter in der Dorfchronik.<\/li>\n<li>Bei seiner Mitarbeit beim Jestetter Dorfbuch benutzt Max sein weites soziales Netzwerk f\u00fcr das \u201eFinden von Sachen\u201c; wenn Unterlagen oder Fotos ben\u00f6tigt werden, Max treibt sie auf. Das ist Knochenarbeit, die selten nach aussen dringt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind nur wenige Beispiele aus einer Liste, die sich fast beliebig verl\u00e4ngern liesse. Verwirrend vielf\u00e4ltig.<br \/>\nEinen gewissen Zugang zu seinem Wesen finden wir wohl in der Art, wie sich Max selber bezeichnet\/vorgestellt hat:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Max Bl\u00f6dt Bildhauer<\/p>\n<p>Aus diesen drei Worten spricht viel mehr als nur die Bezeichnung des einst gelernten Berufes. Es ist ein Hauptteil der Berufung, es zeigt einen Berufsstolz und k\u00fcndet von einem grossen Arbeitsethos. Max ist f\u00fcr seine zupackende Art bekannt gewesen. Ich habe mir von J\u00fcrgen K\u00fcbler \u2013 einem Lehrling von Max &#8211; erz\u00e4hlen lassen, wie Max gearbeitet hat. Er habe im Voraus immer genau \u00fcberlegt, wie vorgegangen werden muss. Seinen Mitarbeitern hat Max sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Wie mir J\u00fcrgen erz\u00e4hlt hat, hat dies auch einmal zu einer speziellen Ger\u00fcstakrobatik gef\u00fchrt, die nicht gerade konform zur den Vorschriften der Berufsgenossenschaft war. Er ist sich nicht zu schade gewesen, Arbeiten auszuf\u00fchren, die er h\u00e4tte abschieben k\u00f6nnen. J\u00fcrgen hat mir berichtet, bei Max habe man sich nicht in erster Linie als Lehrling sondern als anerkannter Kollege gef\u00fchlt. Nat\u00fcrlich war Max der Meister, der Chef; aber er hatte es nicht n\u00f6tig, seine Stellung immer betonen zu m\u00fcssen; ganz einfach deshalb weil er auch so der Chef war. Dies unterstreicht insbesondere einmal mehr die starke Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Auch wenn Max kein M\u00fcller war, seine M\u00fcller-Skulptur erinnert mich an ihn selber. Da ist die klare, schn\u00f6rkellose Art der Skulptur; die Arbeit wird wie selbstverst\u00e4ndlich erledigt. Meine Erfahrungen mit Max stammen jedoch aus anderen Bereichen. Da ist der immer aktive Pfarrgemeinderatsvorsitzende; das treue CDU-Mitglied, das immer zu den Veranstaltungen kommt und mit hilft; der offensichtlich sehr belesene und umg\u00e4ngliche Diskussionspartner. Ich habe mich immer gefreut, mit ihm reden zu k\u00f6nnen; sei das nun am Sonntag morgen nach der Kirche oder am Rande einer Veranstaltung des Bildungswerks, zu denen Max des \u00f6fteren gekommen ist. Bei diesen Gelegenheiten ist mir immer wieder aufgefallen, dass er zuh\u00f6ren konnte. Nat\u00fcrlich hatte er seine eigene Meinung, die er bei Bedarf auch vertreten hat; aber er hatte es nicht n\u00f6tig, anderen diese Meinung auf zu zwingen. Er, der in vielerlei Hinsicht Konservative, weil Bewahrende war auch offen f\u00fcr neue Ideen. Ein \u201eNachdenker\u201c mit einem grossem Hang zum Philosophischen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist da auch die Erinnerung an den Laden von Therese und Max Bl\u00f6dt. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wie ich dieses Gesch\u00e4ft richtig bezeichnen soll; Bastelladen geht vielleicht in die richtige Richtung, trifft aber den Kern der Sache bei weitem nicht. In diesem mit viel Liebe eingerichteten Laden gab es unter anderem Dinge, die es sonst nirgends zu kaufen gab: Nachbildungen des keltischen Stierkopfes und des Ebers aus Altenburg, die bronzenen Wappen und die Bilder von Max, Weinkr\u00fcge mit Jestetter Wappen &#8230;<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00fcsste eigentlich ein Begriff kommen, den man einen Schl\u00fcssel f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Max ansehen kann; n\u00e4mlich der Begriff \u201eHeimat\u201c. Ich diskutiere diesen Begriff aber noch nicht, weil ich noch einen Schritt weitergehen m\u00f6chte. Ich habe es vorhin schon angeschnitten, ich habe Max als eine Pers\u00f6nlichkeit mit grosser positiver Ausstrahlung erlebt. Seit meiner Kindheit war mir Max vertraut, ein ruhender Pol im Dorfgeschehen, er geh\u00f6rt zu meinem Erleben von Jestetten als Heimat dazu. Damit ist er endg\u00fcltig gefallen, dieser Begriff \u201eHeimat\u201c. Ich h\u00e4tte schon vorhin sagen k\u00f6nnen, dass Max eine starke Heimatverbundenheit gehabt hat; wichtig ist mir aber auch, dass Max bei der Gestaltung seiner Heimat mir und vielen anderen einen wichtigen Beitrag zur Erfahrung von Heimat gemacht hat. Und das scheint mir ein ganz grosses Verdienst von ihm zu sein: Aus einem Weltkrieg zur\u00fcckgekommen, der Millionen den Tod oder die Vertreibung gebracht hat, schafft der \u201ekleine\u201c Kriegsheimkehrer Max Bl\u00f6dt in rund 60 nachfolgenden Jahren anderen Heimat. Das ist eine Leistung, die ihn weit \u00fcber manchen \u201egrossen\u201c Staatsmann hinaushebt.<\/p>\n<p>Dass Max an seiner Heimat Jestetten gehangen ist, zeigt sich an vielen Stellen. Seine letzte gr\u00f6ssere Arbeit war die Restaurierung des Kreuzweges auf dem Jestetter Friedhof; als Gemeinderat hatte er sich \u2013 vergeblich \u2013 gegen den Abriss des Gasthauses Adler gewandt. \u201eHeimat\u201c scheint mir aber auch ein wichtiger Schl\u00fcssel f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis seines Werks als Maler zu sein. Viele der kolorierten Tuschezeichnungen zeigen Ansichten von Jestetter Geb\u00e4uden, manchmal sind es ganz vertraute Ansichten, manchmal sind es aber auch versteckte, aus ungewohnter Perspektive. Diese Bilder sind oft nach Vorlage von Fotos entstanden; sie sind also in einem gewissen Sinn Kopien dieser Fotos. Und doch gehen die Bilder von Max weit \u00fcber die Fotos hinaus. Mit nur wenigen Tuschestrichen holt Max die wesentliche Struktur der Ansicht hinaus, Unwichtiges tritt in den Hintergrund. Durch die grosse Beobachtungsgabe von Max bekommt das vermeintlich Vertraute ein neues Gesicht und erlaubt neue Einblicke.<\/p>\n<p>Die Ansicht vom Gasthaus Adler ist auf diese Art entstanden. Durch Augen und die Hand von Max d\u00fcrfen wir noch einmal die Sch\u00f6nheit und die Ausstrahlung diese Geb\u00e4udes erleben. Wir erfahren auch, dass neben und hinter dem allzu vertrauten noch andere Dinge stecken. Aus diesem Grund heraus ist das k\u00fcnstlerische Werk von Max Bl\u00f6dt auch ein philosophisches, weil es uns zum Nachdenken anregen, weil es unsere Vorstellungen erweitern kann. Sei das nun mit den scheinbar paradoxen Steinknoten oder mit den Ansichten seiner Heimat.<\/p>\n<p>Geniessen Sie diese Ausstellung; ich hoffe, dass Ihnen die Werke gefallen, dass Sie Freude daran haben. Damit w\u00e4re ich praktisch am Schluss, der wie Max ein wenig vielschichtig ausfallen soll. Max Bl\u00f6dt ist f\u00fcr mich eine pr\u00e4gende Gestalt in meiner Heimatgemeinde Jestetten. Ich verdanke ihm viele interessante Erlebnisse, und ich bin froh, ihn gekannt zu haben. Ich erinnere mich gerne an ihn, und wenn ich das tue, dann geht es mir \u00e4hnlich wie Ekkehard Altenburger: \u201eWenn ich an Max denk mun\u2019 i immer l\u00e4chle\u201c<\/p>\n<p>Bei der Er\u00f6ffnung einer anderen Ausstellung im vergangenen Jahr habe ich gesagt, dass sich die Gemeinde Jestetten gut \u00fcberlegen muss, wie sie mit dem reichhaltigen Erbe ihrer K\u00fcnstler umgehen, dieses f\u00f6rdern und erhalten will. Und zu diesem Erbe hat insbesondere einer beigetragen, n\u00e4mlich<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Max Bl\u00f6dt Bildhauer<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schlu.de\/LaudatioMaxBloedt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF-Version<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Konrad Schlude<br \/>\nkonrad@schlu.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Liebe Therese, liebe Familie Bl\u00f6dt, sehr geehrte Damen und Herren, ich bin angefragt worden, eine Laudatio zur heutigen Ausstellungser\u00f6ffnung zu halten. 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